Lesen und lesen lassen in Leipzig

Lesen und lesen lassen in Leipzig

So nun ist aber auch gut. Als letzter Akt ist nun das (wirklich schön geratene) Buch zu StadtLandText erschienen: 10 Regionen, 10 Schreiber und Schreiberinnen, die in einer Art Best Of Anthologie schöne Texte und Fotos aus dem Blog auf Papier gebracht haben. NRW hat sich nicht lumpen lassen…

Zur Vorstellung des Buchs auf der Buchmesse in Leipzig waren vier von uns Zehnen eingeladen kurz daraus vorzulesen. Das hat Spaß gemacht. Man darf sich aber sicher fragen, ob eine Lesung vor zwei Handvoll Leuten in einem 15 Quadratmeter Messestand für 30 Minuten den Aufwand und die Kosten für Anreise, Hotels, Honorare rechtfertigen. Aber andererseits: Geld kann sinnloser und dabei nicht so herzwarm und gut gelaunt verpulvert werden. Und die lokale Wirtschaft haben meine Frau und ich jedenfalls gestützt mit all dem Schlafenmüssen und Durst- und Hungerhaben – und dem Bücherhunger gleich noch Kleinverlage gerettet.

Schön waren die vielen Lesungen überall in der Stadt, in Cafés, Läden und lässigen Off-Orten. So am Samstagabend z.B. in toller, abgerocketer Location in einem ehemaligen Kraftwerk am Stadtrand der Abend mit dem italienischen Schriftsteller Domenico Starnone. AUF IMMER VERBUNDEN, heißt sein Buch und passte zu der betörenden Italo-Deutschen Mischung des vorfreudigen Publikums, das geduldig wartete und dann zuhörte ,während draußen die eiskalte Nacht an die Fenster drückte.

Schön auch die abenteuerlichen Überlandfahrten in tief verschneiten Sachsen von unserer Unterkunft im beschaulichen Schkopau Richtung Leipzig, 30km weiter – vorbei an riesigen Parkplätzen oder ehemaligen Lagerplätzen mit Lichtmasten ohne Autos oder Lagermaterial, vielleicht noch aus Bluna-Leuna Chemiehochzeiten in der guten alten Tätera, dann weiter entlang gigantischer Einkaufsmeilen entlang der B-Irgendwas mit gigantischer Tanke und Drive Thrus und Bäumärkten und Möbelmärkten und Supermärkten – und vollen Parkplätzen. Im nächsten Dorf, mit Villen gegenüber 3-Stockwerks-Plattenbauten wurden an einer Kreuzung handzahme Papageien auf einem Schild angepriesen. Wir überlegten kurz. Die Kinder lesen ja heute immer weniger. Und dann, immer wieder diese enormen ostdeutschen Horizonte – weit und klar wie Wyoming.