Auf den Schultern von Riesen: James Salter übers Schreiben

Auf den Schultern von Riesen: James Salter übers Schreiben

Irgendwann wird einem klar,
dass alles ein Traum ist
und nur geschriebene Dinge
die Möglichkeit haben, wirklich zu sein
[Alles was ist; James Salter]

Das Epitaph aus Salters letztem Buch kondensiert auf vier Zeilen den Wunsch zu schreiben und erklärt zugleich, wie das Leben ist, aus dem Autoren schöpfen – nämlich auch nur eine Vorstellung ein verworrenes Geschehen, in dem man manchmal agiert und manchmal zusieht. Aber wenn man es schreibt, wird es wirklich, echt, ist passiert. Und deshalb müssen manche Menschen Bücher schreiben – und weil sie berühmt sein wollen und beliebt – wie Salter unumwunden zugibt.

An meiner Wand hängt ein Zettel mit einer Szene aus einem Wim Wenders Film. Darauf schreibt eine Figur aus „Stand der Dinge“ die Worte: „Stories only exist in stories (whereas life goes by without the need to turn into story)“. Das ist Salters Gedanke mit anderem Schwerpunkt: darin der Wunsch, dem Leben, diesem riesigen “Müllhaufen der eigenen Erinnerungen”, wie Salter es nennt, Geschichten abzuringen. Und genau das hat Salter getan.

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